Moment / Aufnahme

Gedanken

Ich weiß nicht, wie viele Herzen in meiner Brust schlagen, ich weiß nur um eines, was gerne für einen Menschen schlagen würde. … Genau hier beginnt das Dilemma, denn „Ich“ sein zu dürfen, in meiner gedanklichen Freiheit zu leben und leben zu dürfen, ist es, was mich wirklich bewegt. Mal stehe ich im rechten Lager, ohne da hinein zu gehören, mal im linken, ohne hierhin zu wollen. Mal bin ich schwul, mal homophob. Ein Rassist bin ich ebenso, ohne das ich im geringsten an Rassen bei Menschen glaube, aber ich gebe etwas auf gutes Benehmen. Religiöser Fanatiker, Bilderbuch-Atheist, Menschenfeind, Menschenfreund, ein Gutmensch und so vieles mehr, dabei ist Fairness der einzige Fanatismus, der mein Wesen antreibt. Ich bin in den Augen anderer so vieles, ohne je etwas von diesem zu sein. Meist habe ich keine Meinung, weil ich meine, es wäre zu einfach eine zu haben. Oftmals kann ich viele Seiten sehen, wie soll ich mich entscheiden, wenn mir Spontanität als Aktionismus erscheint und „eine Seite“ die Gefahr von Ungerechtigkeit für die andere birgt? Die Bilder die ich habe sind oftmals so groß, dass ich Angst verspüre im gesamten die Details zu übersehen, die eben die entscheidende Nuancen sind. Bin ich phlegmatisch, wenn doch in mir Jähzorn brodelt? Bin ich Choleriker, weil ich die Diplomatie liebe? Harmonie, sie ist die Melodie, die ich wirklich liebe. Ich kann Streit nichts abgewinnen, sehr wohl halte ich ehrliche Kommunikation, mit all den Hürden, Makel und Verletzungsrisiken für wichtig. Ich weiß, ich verletze, doch fehlt mir jede Absicht andere Menschen zu verletzen, denn perfide zu sein ist zwar meine menschliche Natur, aber wider meiner Gerechtigkeit und doch lästere ich gerne. Ich ergreife selten Partei, erst, wenn es schreiend ungerecht wird und versuche jeden Menschen, egal jedweder Ansicht in seiner Emotionalität und somit in dem Wert, der mir als menschlich wertvoll erscheint, zu begreifen. Ich bin herzlos, weil es nie ein Herz in mir geben kann, aber herzlich, weil meine vielen für alle Menschen schlagen, auch die, die mir zuwider sind und das sind viele, aus Gründen, die nicht immer welche sind. Doch wäre ich mir selbst zuwider, würde ich nicht jeden derer so behandeln, wie einen Freund. Da unterscheide ich nicht, auch wenn ich ein schlechter Freund bin, so unglaublich schlecht darin Freundschaft zu pflegen, ein Mensch, der mir etwas bedeutet, hat seinen Platz und ist mir wertvoll. Ich bin radikal, weil meine Gedanken oft radikal sind, aus Prägung, aus einem inneren Kampf heraus und dennoch sehe ich Lösungen einzig im moderaten Denken und akkuraten Handeln. Ich weiß wer ich bin, weil ich „Mich“ als Bild in mir verfestigt habe und doch weiß ich auch, dass es „Menschenkenner“ gibt, die nicht wissen, was ich bin. Mich zu analysieren? Hätte ich eine gespaltene Persönlichkeit, so wäre ich Ghandi, so wäre ich Pol Pot und würden Frieden im Krieg gegen den Krieg suchen. Widersprüche? Wie widersprüchlich ist es, ich zu sein? Blind vertrauend paranoid und niemals einfach, weil mir einfach zu sein paranoid erscheint. Ja, ich bin ein Mensch. Ja, ich bin formbar und hasse Schokolade, weil ich sie liebe. Wer bin ich, dass ich dich verwirre, irre zu sein, wer ich bin?

Eben ein paar Gedankenfetzen, über ein paar Menschen, die einfach nur in einer Form der geistigen Steinzeit leben. Ja, auch in den Länder aus denen die Menschen fliehen, gibt es Menschen die ebenso Arschlöcher sind wie die, die Flüchtlingsheime angreifen. Sie sind sich ähnlich und gibt man ihnen die Möglichkeiten, werden sie immer und überall auf der Welt zu beweisen wissen, welch unmenschlichen Tiere sie sind. Sie morden, vergewaltigen und halten eine Fahne in die Höhe, die keinerlei Wert hat und mit Blut getränkt ist. Gefangen im alten Kreislauf von Hass und Gewalt und der Idee, das eine Nationalität, eine Religion oder was auch immer eben ihnen dieses Recht zur Unmenschlichkeit gibt. Wir sind aber nicht das Land der Arschlöcher, auch wenn wir in Zukunft einige Prüfungen werden überstehen müssen. Die Welt verändert sich und wir haben die Chance jenseits von Herkunft und Religion zu beweisen, dass die Gruppe der guten Menschen eine viel größere ist und diesen Kampf bestehen wird.

Schenke einem narzisstischen Nazi farbige Narzissen,
er wird nie um ihre großmütige Schönheit je wissen!
Alles was er in seinem leeren Leben versteht und sieht,
ist der schwarze Hass, der ihm füllend stetig obsiegt!

Schenke einem bornierten Brauen Dichtung und Wort,
er weiß nur für Hass in seinem einfältigen Geist ein Ort!
Er sieht und hört, was er zu sehen und hören ist bereit,
so gräbt sich der Nationalismus als Droge in sein Geist!

Schenke einem lauten Rechten dein volles Gehör,
du wirst hören, was dein Verstand wahrlich verstört!
Sie nennen sich Deutsche, doch mit welchem Recht?
Glauben sie das der Geburt birgt dieses? Echt?

Was immer im Leben du bist zu schenken bereit,
kommt es vom Herzen, ist die Güte nie weit!
Denn schenke einem Menschen mit Herz dein Vertrauen,
ein Fundament, auf welches man kann Freundschaften bauen!

Denn jenseits von Nation, Herkunft, Land und der Religion,
liegt in der Weisheit der Menschlichkeit der höchste Lohn!
Denn!
Wirklich Deutscher ist der, der meine Sprache wahrlich spricht,
mit seinem Herzen und nicht der, der mit der guten Güte bricht!
Noch eines!
Gott ist Recht, ein Recht für jeden auf Freiheit und Leben
und uns ist der Kampf, für alle, danach und dafür zu streben!

Durch dunkle Gassen kroch sie und ihr Name war Ignoranz, still bewegte sie sich vorwärts um ihre wunderschöne Schwester Egoismus zu treffen. In der Ferne verstummte ein Ruf, eindringlich und ungehört. Ideen schwammen wie tote Fische im Fluss, trübes Wasser untauglich und strahlend. Er hob den Blick, energielos wie der Meiler vor ihm und ging. Kilometer für Kilometer. Gefangen in einem Moment. Seine Hand griff in die Westentasche, leer wie der Augenblick. Ein weiterer Schritt, keine Uhr, doch 5 vor 12 wie jeden Tag. Er setzte sich, bestaunte den Stein vor sich und verstand reglos, was sich stets endlos offenbart. Ein Lächeln in buddhistischer Weisheit, ungesehen, ein Anfang, der Anfang.

Man sagt, es gäbe 7 Weltwunder, doch in Wahrheit gibt es viele Milliarden, jedes dieser Wunder wuchs heran und vergaß, dass die Welt voller Wunder steckt, solche, die uns einst in starrer Begeisterung den Atem verschlugen.  Neugierig gehen wir durch das Leben, verlieren die Neugierde, weil wir meinen alles bereits gesehen zu haben, bis zu diesem Moment, wo das größte Wunder von allen uns wieder bewusst wird: Liebe. Jemand mag einen das Herz stehlen, jemand mag dir das Herz brechen und mancher Anblick dieses stocken lassen. Doch nur die Magie deines eigenen Kindes versetzt dein Herz in lebenslanger Haft und dies ist die einzige Gefangenschaft für die es sich lohnt zu kämpfen.

Vielleicht ist dieser Moment deshalb so intensiv, weil er uns daran erinnern soll wie kostbar diese Liebe ist. Das es sich nicht nur lohnt darum zu kämpfen, sondern eben auch, dass wir in der Verantwortung stehen dies zu tun. Viele Jahre gilt es zu beweisen, dass man dieses Wunder entsprechend Wert geworden ist. Dies ist auch die einzige Kette zu Kindern die man schmieden kann, auf das sie nicht nur an Weihnachten aus einem Pflichtgefühl Heim kehren, sondern aus einer Sehnsucht nach Wärme. Es gilt, Kindern nicht zu lernen erwachsen zu werden, sondern zu lernen wieder Kind zu sein, zu begreifen wie Kinder begreifen und dieses Wissen zu nutzen, sie wissend zu machen. Dies ist der Reißverschluss, der den warmen Mantel dieser Liebe selbst in bitterer Kälte um einen schließt.