Moment / Aufnahme

Zugegeben, ich bin ein Mensch der nicht frei von Vorurteilen ist. Manche sind so alt, dass ich nie daran gedacht habe, diese mal aufzulösen und eines, welches definitiv in diese Kategorie gehört(e), ist das über Mallorca. Für mich immer und immer wieder ein/der Inbegriff für Partypeople, Alkohol und sinnloses besaufen. Das wäre mir für den Urlaub viel zu wenig und der Strand ist nicht unbedingt mein ersehntes Ziel, auch wenn ich Strände liebe, die Sonne liebt es noch viel mehr mich zu verbrennen. Ich verzeihe ihr das aber immer wieder, auch wenn sie meist ein treuloses und kaltes Biest ist.

Gibt es Erkenntnisse die ich gewonnen habe? Ja, sehr viele sogar und bleiben tun davon eine Vielzahl von Gefühlen, Einsichten und ein Stück anderes Leben. Dass die Insel wunderschön ist, bestätige ich im Vorfeld aber sehr gerne. Sie ist riesig, hat recht hohe Berge und „der Strand“, den wir alle als Vorurteil kennen, ist mit seinen 6 Kilometern in Relation zum Küstenumfang von 550 Kilometern eher klein. Vielleicht liegt auch hier eine nicht unwesentliche Lebensweisheit: Was du auch immer aus wenigen meinst zu wissen, das Bild trügt schnell, eben Stereotypie. Wobei ich den Ballermann (6) auch gesehen habe, aus sicherer Entfernung des Busfensters. Dabei hat die Regierung einiges getan das Bild des Eimersaufens zu verändern: Verbote und Kontrollen der Einhaltung mögen zwar den Traum des „Lebensgefühl Ballermann“ trüben, aber das Bild der Touristen in den Augen der Einheimischen verbessern. Wir Deutschen sind ein komisches Volk, glauben wir doch nur zu leicht viel besser im Ausland angesehen zu sein, als unsere Ausländer hier von uns wahrgenommen werden. Ein Stück weit „Herrenvolk“ sind wir in unserem Denken wohl doch recht gerne und ich gebe zu, ich hatte dort viel mehr das Gefühl der Akzeptanz, als wir es hier anderen Kulturen entgegen bringen. Alleine reiste ich ja nicht, meine Begleitung ist „Ausländerin“, wenn es nach optischen Eigenschaften geht definitiv. Ansonsten ist sie in der Summe innerhalb meiner Wahrnehmung sehr deutsch und doch fühlte ich mich in Mallorca weniger „fremd“ in ihrer Begleitung wie in Deutschland. Die Blicke sind anders, unabhängig davon ob es erstaunte sind, Argwohn oder wie auch immer.

Das Leben „dort“ ist anders als hier, auch wenn der Tourismus sicherlich für Arbeit und Stress sorgt, so hatte ich dort nie das Gefühl von Hektik, welches ist alleine deshalb schon ablehne, weil ich mich leicht mit diesem anstecken lassen. Wohl auch der Grund, dass ich nach der Rückkehr erst einmal das Einkaufen vermieden habe – ja nicht das Gefühl der Leichtigkeit im Inneren verlieren. Es geht zwar langsam, Stück für Stück, aber es war sehr schön auch mal wieder jenseits des Gewohnten eine andere Welt wahrzunehmen. Wir Deutschen mögen zwar fleißige Bienchen sein, aber ein Stück weit auch dumme und so verwundert es nicht, dass so viele gerne unser durchaus schönes Land verlassen wollen. Der Gedanke kam mir sehr wohl auch und doch gebe ich zu, ich liebe meine Heimat und dieser den Rücken kehren ist nichts, was ich als Idee ausleben will. Aber aktuell wünschte ich, eines Tages es mir leisten zu können im Sommer in Deutschland und im Winter eben auf Mallorca wohnen zu können. Keine neue Idee, sondern eine die viele Deutsche teilten und teilen. Kein Wunder also, dass die Insel auch gerne mal als das 17. Bundesland genannt wird. Nicht nur, weil man durchaus mit Deutsch (und Englisch) recht gut über die Runden dort kommt, aber glaubt man den Zahlen, intrigieren sich Deutsche sehr wohl, sie sprechen Mallorquinisch und lieben die Insel so, als wären sie wirklich Einheimische und ja, sie sind es wohl auch. Sie „flüchten“ ja nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus Überzeugungsgründen, durchaus ein Unterschied ob der Magen oder das Herz den Weg bereitet.

Der Flug ging am Samstag und gegen meine gewohnte Aufstehzeit mussten wir recht früh zum Düsseldorfer-Flughafen. Zeit hatten wir reichlich, das Gepäck war in wenigen Minuten aufgegeben, die Kontrolle ging schnell – Nebensaison eben. Für mich, eigentlich an Höhenangst leidend, war die Idee zu fliegen keine, die etwas anderes als ein mulmiges Gefühl verursachte, die 737 hob ab und einen Moment lang glaubte ich doch den Papierbeutel durchaus berechtigt griffbereit zu haben, aber innerhalb von Sekunden verflog das Gefühl und die Angst beim Blick aus dem Fenster wich eher einer Begeisterung. Die Landung in Palma de Mallorca war die vorletzte Hürde zum eigentlichen Urlaub, das Gepäck ging nicht verloren und der Transfer vom Flughafen zum Hotel klappte auch gut, was will man mehr. Ach ja, ein sauberes Hotel vielleicht? Wir hatten ein 3 Sterne Hotel (Hotel Diamant in Cala Rajada) welches nicht die perfektesten Zimmer hatte, nicht wie frisch gebaut wirkte und sicherlich auch nicht jeden erdenklichen Luxus bot. Aber ich habe schon in Deutschland in wirklich teuren Hotel residiert in der eine Übernachtung die Hälfte des Urlaubs (in der Nebensaison) kostet und doch gebe ich zu, so „perfekt“ sie im Vergleich erscheinen mögen, es fehlte für mich beim Personal nie die Professionalität, aber ein gutes Stück die (gefühlte) Ehrlichkeit. Das Personal dort war definitiv ein Grund sich sehr wohl zu fühlen, die Preise für Getränke waren alles andere als verdorben und der Besuch der Bar eben auch ein Stück Urlaub von dem, was ich aus Deutschland kenne. Mit diesem „Maßstab“ habe ich dann auch letztendlich eine sehr gute Bewertung bei Holidaycheck geschrieben. Gewählt hatten wir es auch, weil gut 90% der Urlauber (gebucht im DER Reisebüro und deren Bewertungsgrundlage) es weiterempfohlen hatten. Es geht besser, sicherlich, aber bei Bewertungen sollte man nie die Relation aus den Augen verlieren. Hellhörig ist es, ich habe sicherlich andere Gäste durch mein Schnarchen genervt, nicht nur die hübsche Frau aus dem Zimmer 209, diese revanchierte sich aber gerne mal mit randalieren, ich wiederum mit Kopfstößen an die Bettkannte; man kann ja nicht immer schnarchen. Immerhin wurden wir beide nicht durch die leicht defekten Geräte im Fitnessraum verletzt und zu Tode gegessen haben wir uns auch nicht, den Versuch aber ab und an getätigt, gefühlt zumindest. Das Essen war wirklich sehr okay für ein Hotel, ich kenne besseres, aber es geht um Relationen, wie so oft. Mein Favorit war das „Churrascaria „Toro Negro““ im Hotel Esperanto in Fulda, brasilianisch Kulinarisch und definitiv der Tag, wo ich am meisten in meinem Leben gegessen habe. Als gäbe es für 1 Jahr gar nichts mehr.

Den Sonntag verbrachten wir in Cala Rajada, eine deutsche Hochburg, wenn man so will. Wie das recht nahe liegende Cala Millor, dessen Strand viele Touristen lockt. Aber auch in Cala Rajada sind viele schöne Ecken zu entdecken, zwar eher kleine Strände und auf dem ersten Blick nicht so viel außerhalb von Gebäuden, führte uns der Weg zum „bekannten“ Leuchtturm (Far de Capdepera), der entpuppte sich selbst zwar als gar nicht so sehenswert, aber immerhin lohnte der Ausblick aufs Meer und Land und in die Tiefe des Abgrunds, an den ich stand. Irgendwie habe ich ein gutes Stück meiner Höhenangst wieder verloren, vielleicht habe ich sie einfach meiner Begleitung geschenkt, bin ja nett und teile gerne. Positiv für mich, ansonsten hätte sie mich sicherlich nur zu gerne von der Klippe herunter geschubst. 😉 Mittags gab es dann im „O‘ Sole Mio!“ eine wirklich sehr leckere Pizza, empfehlenswert vor allem für die, die ihr Besteck selbst mitbringen, ansonsten artet es fast in Kraftsport aus. Am Strand (Son Moll) ließ es sich sehr gut aushalten. Schön in dieser Jahreszeit ist, man ist fast alleine dort. Ein recht entspannter Tag.

Am Montag gab es neben dem Besuch beim Optiker, defekte Brille sei Dank, den Fußmarsch nach Capdepera, Cala Rajada gehört zu dieser Gemeinde, obwohl es dank dem Tourismus heute mehr Einwohner hat. Deutlich spannender als der Leuchtturm ist aber definitiv die Burg von Capdepera (Castell de Capdepera). Sie bietet einen schönen Ausblick aus luftiger Höhe auf die Umgebung, als auch die zahlreichen Erhebungen im Umkreis der Gemeinde. Als Norddeutscher würde ich mich zu den Begriff Berge hinreißen lassen. Neben der Burganlage als solches, gibt es auch Räumlichkeiten die die Geschichte der Burg erzählen als auch eine Kapelle, die durchaus sehenswert ist. Das man auf dem Weg an einem Müller Drogeriemarkt vorbeikommt und auch noch auf der Insel Schlecker entdecken kann, verwundert einen wenig und erinnert wieder an das 17. Bundesland. Übersät ist die Gegend mit Spar Märkten und einkaufen waren wir im Eroski Center, dort gibt es auch das Weißbrot von Bimbo. Das verwirrt aber weniger als einheimische Autos mit „Dachdecker“ zu entdecken, auch wenn der Fahrer diesen Beruf definitiv ausübt. In der Nähe der Burg gibt es ein wirklich sehr schönes Restaurant (Es Castell) dessen Besuch lohnt sich alleine wegen dem Ambiente, auch wenn in Begleitung einer Vegetarierin die Bestellung einer Paella ohne Fisch und ohne Fleisch (without fish, without meat) nicht in der gewünschten „Paella de verdura“ mündete, sondern eine mit reichlich Garnelen endete. Lecker war es dennoch, wie das meiste Essen was ich in der Zeit gegessen habe und die mehr an Kilos gerade noch bemerke – verdirbt z.Z. ein wenig den Appetit. Egal. Das Essen war es wert, wenn es auch noch oft getoppt wurde.

Im Hotel buchten wir für 4 Tage noch Exkursionen bei 1-2-Fly (TUI) für den Dienstag Geheimnis Mallorca, am Mittwoch Frühlingserwachen und Donnerstag Vuelta Isla und für den Samstag dann Palma mit der Kathedrale und (nachträglich) Valldemossa, ein sehr schöner Ort. So ging es von Sehenswürdigkeit zur Sehenswürdigkeit, mal ging es hoch hinaus und noch mehr quer durchs Land, im Bus, leider nicht Boot und doch mit der Bahn (Roter Blitz / Tren de Sóller). Gut für mich, so gab es etliches, was ich fotografisch festhalten konnte. Am Ende hatte ich somit knapp 1100 Bilder, einiges natürlich mit gewisser Redundanz und doch, jedes einzelne hat einen Wert für mich, wenn mich beim Betrachten auch ab und an der immer wieder auftauchende Pinguin verwirrt, den ich liebevoll Klaudia taufte. Ohne ihn hätte es nicht so viel Spaß gemacht und ich hätte definitiv weniger gesehen, nicht nur von ihr, ein Glück also, dass sie dabei war und wir am Ende noch beide lebten. Unversehrt und nicht am Essen oder Alkohol gestorben. Ach, ich gebe es zu, ein wenig „Partypeople“ bin ich am Ende dann doch. Genießen, vor allem Essen und Getränke, sie sind ein guter Teil der Erinnerung und besonders der Samstag bleibt in dieser noch lange erhalten. Sei es die göttliche Gemüse Paella in Palma oder der sehr leckere Coca de Patatas in Valldemossa, sieht aus wie ein Berliner, schmeckt aber viel besser und ist unglaublich „leicht“ – köstlich eben. Wir haben Kloster gesehen, Wasser getrunken welches Männer 2 Jahre jünger macht (Santuari de la Mare de Déu de Bonany), ein Herrenhaus (Els Calderers de Sant Joan) bewundert und uns gewünscht adelig zu sein. Schwarze mallorquinische Schweine (Cerdo Negro) gesehen und eben echten mallorquinischen Wein getrunken (Castell Mar von Bodegas Oliver aus Binissalem), der heute leider selten ist, da der Anbau guter Trauben bedingt durch den Import der Reblaus einst sein Ende fand und der Mandel wich, nun, auch der Likör mit dieser ist nicht zu verachten. Ziele wie das Santuari de Sant Salvador luden ebenso ein, wie eben auch Escorca, wo mit 2 Einwohner pro km² … nun, wer sich fragt, wo der Hund begraben liegt – dort, aber in Wahrheit wimmelt es dort von Wildziegen. Platja de sa Calobra war einfach herrlich, dort gab es dann auch endlich Coca Mallorquina, die „spanische Pizza“ zu essen. Von Haus aus vegetarisch und verdammt lecker. Die Empanada war zwar lecker, aber leider mit Kaninchen-Fleisch gefüllt, aber der wählerische Fleischesser in mir (mit vegetarischen Tendenzen) isst was er kauft. Die Kartause von Valldemossa war unsere letzte Sehenswürdigkeit, in dieser verbrachte Frédéric Chopin einige Zeit zusammen mit George Sand, weniger als das Museum vermuten lässt und doch erinnert es an einen großen Künstler, der keine 40 Jahre alte wurde und nicht nur an Tuberkulose litt. Sein „Marche funèbre“ kennt jeder, freilich ohne es zu wissen und Staatsoberhäupter wie „Breschnew, Tito, John F. Kennedy, Winston Churchill und Margaret Thatcher“ wurden zu dieser Melodie beigesetzt, so wie Chopin einst selbst. So fand auch unser Urlaub mehr oder minder hier sein Ende, wenn auch noch der Sonntag blieb, so glich dieser ein Stück weit dem letzten und doch reichte er, wenigstens 1x Tapas zu essen – in einem deutschen Lokal, das Son Moll (http://www.sonmoll.de). Immerhin.

Aufmerksame Leser werden vermutlich bemerken, dass noch 1 Tag fehlt, der Freitag und somit der Besuch der Drachenhöhlen in Porto Cristo. Beeindruckend sind diese, beschreiben kann man es kaum, in Szene gesetzt werden sie aber gut. Eine recht große Höhle, ein kleines Konzert und ein wenig Bootsfahrt. Mir persönlich gefiel der Ort selbst auch sehr und dies nicht nur wegen Eis, hinter Valldemossa mein Favorit derer, die ich gesehen hatte. Die Busfahrt zu diesem war auch sehr spannend, ein Bus mit Kabelbindern geflickt würde in Deutschland den Prüfer vom TÜV vermutlich tot umfallen lassen, dass die Tür nicht richtig schloss, nun, wen stört schon eine schmaler Spalt. Den Mallorquiner anscheinend nicht. Der Bus fuhr, dass zählt und dies auch noch fast erschreckend pünktlich.

Vieles aus dem Urlaub klingt noch nach. 2 Erkenntnisse bleiben aber für mich am Ende unbeachtet der anderen hängen: Die eine ist, dass ein Baum und eine romantische Geschichte um diesen alte Sehnsüchte aufklingen lässt und das ein Tag später ein „ach so kurzer Arm“ auf den eigenen Schultern liegend sehr schnell die Welt wieder in Ordnung bringen kann. Ein Hauch von Glück.

Wenn ich etwas Mallorca wünschen würde, dann wieder ein Stück weit mehr die eigene Identität und einen Bedřich Smetana, der dieser Insel so wie der Moldau eine sinfonische Dichtung, ein Liebeslied schreibt. Wert ist sie es.

Ach ja, du hast recht Miquel, der Tunnel ist 270m lang. Es liegt mir noch in den Ohren, so wie deine Stimme und die viel zu vielen Informationen ebenso. Canyamel ist Zuckerrohr und das ein 20 Jahre alter Olivenbaum ein Säugling ist, nun, ich werde es nie vergessen. Wie so vieles ebenso.

2 Antworten auf Urlaub, nicht nur von Vorurteilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *