Moment / Aufnahme

Wohin des Windes weites Wehen, wie willst du die Liebe je verstehen? Ein Sturm, kein leises Tosen, ein Hauch, wie der Duft von Rosen? Als blinder Wanderer, so gehst du in die höllend heiße Sahara und mit dem Anbruch der Nacht, da wird dir vieles klarer. So wandelt sich warmes Licht in dunkle Kälte und die Hyäne des Abschieds, sie lacht ihr grobes Bellen. Nicht?!

Schaut! Die saftige Liebe, sie liegt am Boden! Die Geier, sie kommen, mit lautem Tosen! Auf zur Zerstücklung! Die letzte Feier!

Es ist ein Festmahl, bereitet aus Freude, bereitet aus Leid. So ziehe es an, dies grausame Totenkleid! Die Tafel ist reichlich gedeckt, mit dem, was die Liebe zerstört und die Schergen des Todes, sie sind in Scharen betört. Ein jeder im Wissen: Liebe ohne Glauben muss gehen! Sag, mag denn niemand die Hoffnung in ihrer Schönheit sehen?

Seht! Im Garten des Glaubens verwelkt die Rose des Glücks, sie weicht, doch der Gestank des Todes nicht. Des Winters Eden.

Der Kadaver der Liebe verrottet im heißen Wüstensand. So groß des Sandes Meer, ein niemand ihn fand. Der faulige Gestank weicht der klaren Nacht: Niemand gab auf diese Liebe Acht! So geht ein Wanderer mit vielen Narben, gezeichnet durch den dornigen Rosengarten. Dorn um Dorn weicht der Wind und offenbart die Stille des Moments – Wohl dem, der diesen nicht kennt.

 


Das Gedicht entstand um begreiflich zu machen, dass ein guter Teil der Liebe selbst, vor allem die fordernden Liebe, also die zu einem Partner, eben auch immer einen gewissen Wahnsinn in sich trägt. Sehnsüchte werden auf jemand projiziert ohne je zu wissen, ob es eine Zukunft hat. Genau deshalb braucht die Liebe wohl ein wenig Blindheit und jeder, der „Blind“ jemanden auf spezielle Art vertrauen kann, sollte diesen Reichtum bewusst schätzen lernen. Wer es nicht tut, verliert den Glauben und den Blick für das, was er gefunden hat. Geht der Wahn, kehrt die Realität heim und diese ist leider nicht selten deutlich grauer als die Farben der Liebe zuvor. Liebe braucht Zukunft, gibt es diese nicht, wird außer Leid nichts am Ende warten, reich beschenkt ist der, der die „Stille des Moments“, die Erkenntnis des Verlustes eben nicht kennt und vielleicht sogar das Glück hatte, diesen niemals kennenlernen zu müssen. Klug ist der, der begreift, dass die Liebe auch Grenzen kennen muss, denn wer zu viel opfert, wird Wunden davontragen, die niemals heilen. Denn was die Liebe wirklich braucht, ist die Hoffnung und dafür braucht es ein starkes Herz und Mut zum Verstand.

Mein Dank geht an Avesta, für den Titel der nun diesem Gedicht einen Namen gibt. 🙂

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