Moment / Aufnahme

 

Wie gibt man sich nur ein Profil? Wie erzählt man über sich selbst? Was will jemand in einem „Über den Autor“ lesen?

Ich glaube, diese Frage ist deutlich unterschätzt, schließlich versucht man doch sich selbst den Leser dieser Zeilen näher zu bringen. Doch was ist es nun, was uns ausmacht, was uns interessant macht und was uns dazu bewegt, uns für andere zu interessieren. Doch vor all dem, was bewegt uns dazu, dass wir sehr gesteuert gerade diese Informationen anstreben oder eben von uns geben wollen. Ist ist die Neugierde? Das Streben danach über den Anderen etwas zu erfahren? Tun wir es aus Gewohnheit, glauben wir wirklich, dass diese Informationen uns ausreichen damit wir uns ein erstes, gar ein echtes Bild machen können? Das erste Stück eines Puzzles, dass wir letztendlich zusammenfügen wollen?

Kommen wir also wieder zu mir und beginnen wir einfach mit einer Zeitreise und starten in der Vergangenheit mit der Idee, was ich wann auf die Frage: „Wer bist du?“ geantwortet hätte:

Im Alter von

10 Jahre: Ich bin Thomas, ich gehe zur Schule.

20 Jahre: Hallo, mein Name ist Thomas, ich arbeite im EDV-Einzelhandel und meine Hobbys sind Computer, die Fotografie und Musik hören.

Heute: Oh, dass ist schwierig, aber ich will es mal versuchen …

Mit dem Wissen, dass man sich in einem gewissen Rahmen verändert? Es ist kaum machbar, anders kann man es wohl nicht sagen, vor allem, weil mich viele übliche Profile auf diversen Seiten an ein auswendig gelerntes Verkaufsgespräch erinnern. So ist man üblicherweise ein liebevoller Mensch, mit viel Sinn für Humor, der für jeden Spaß zu haben ist und gut zuhören kann. Man steht mit beiden Beinen fest im Leben, weiß wo es langgeht und kennt seine Ziele, die man niemals versäumte sich gesteckt zu haben. Jeder mag einen und viele Freunde bestätigen, das man doch eine ganz tolle Persönlichkeit hat und wirklich furchtbar lieb ist.

So gleichen die „Über-Mich-Seiten“ irgendwie die Verpackungen von ganz normalen Brot. Auf allen steht irgendwie das gleiche drauf und sie verkaufen sich über den gleichen Aspekt – Ich werde dir schmecken. Doch auf was achten wir wenn wir Brot kaufen? In keinen anderem Land der Erde werden derart viele verschiedene Brotsorten angeboten, wie im deutschsprachigen Raum und doch, wir schauen irgendwie fast immer nach der gleichen Sorte und unterscheiden eigentlich nur am Haltbarkeitsdatum und vielleicht noch nach dem Preis.

Kommen wir also zur bitteren Wahrheit! Denn letztendlich ist der Mensch ein Lebewesen, das nichts mehr liebt als seine eigene Individualität oder aber, auch nichts mehr hasst als diese. Negatives wirft uns zurück in unserem Bemühen unserem Ego zu beweisen, dass das erträumte „Über-Ich“ in unserer Vorstellungskraft auch dem Bild entspricht, welches wir so mühsam von uns selbst zeichneten. Einen gewissen Zynismus kann ich in den Worten nicht verschweigen und sie sind bewusst überzeichnet, andersherum, wer kennt denn jemand, der von sich sagt: „Ich bin ein Schwein und jeder meiner Freunde weiß das auch!“, ein Dieter Bohlen vielleicht? Vielleicht der Grund, dass derart viele Menschen ihn doch irgendwie mögen, obwohl er ein Paradebeispiel dessen ist, was vielleicht mehr auf Ablehnung denn Zuspruch stoßen sollte.

Wir gehen also mit Wünschen durchs Leben, jeden einzelnen Tag und träumen vom perfekten Job, den perfekten Urlaub, den perfekten Partner oder einfach nur den perfekten Sex. Perfekt? Das ist wohl das, was besser ist als das, was wir gerade haben. Wir machen uns Gedanken, schreiben sie nieder, versuchen uns selbst zu bewerten oder andere uns bewerten zu lassen und bei all unserer „Ehrlichkeit“, wollen wir doch nur „Perfektes“ hören. Wir streben mit jedem Tag nach dem ultimativen Ziel: den der Zufriedenheit. Warum versuchen wir es nicht einfach damit zufrieden zu sein mit dem, was wir haben und gemeinsam im Detail zu verbessern?

Zufriedenheit, sie lebt von Achtung und Anerkennung und die ersehnen wir uns, wir verkaufen uns über unseren Wohlstand, über unsere Ansichten und unser Leben. All das nur für Bestätigung, die unseren Wert definiert und uns erkennen lässt, dass wir wer sind oder besser noch, dass wir mehr sind als „die Anderen“. Denn wir vergleichen uns, immer, mit jeden und mit allem.

So „kauft“ sich Frau ihre Sehnsüchte, den Po von ihrer Freundin Manuela hätte sie gerne, den Busen von der Rothaarigen die in der Badeanstalt als Eisverkäuferin arbeitet. Mann träumt vom neuen Auto, davon das seine Mannschaft gewinnt und Tabellen-Erster wird. Beide träumen vom nächsten Urlaub der noch besser als der letzte werden soll und mit jeden Tag schreiten wir voran, füllen uns mit Sehnsüchten und mit Zweifel.

So schauen wir in das Profil der anderen, wollen gleiche Hobbies und Ansichten sehen, hören das wer die Musik mag die wir mögen, auch die Farben trägt die wir tragen. Halt eben das mag, was wir eben selbst auch mögen, wir sehnen uns nach einem Seelenverwandten, der uns bestätigt, der uns gleicht. Doch wenn wir unseren Individualismus so lieben, warum gehen wir dann in diese Richtung?

Am Ende erhoffen wir uns alle Verständnis, weswegen wir selbst ja so verständnisvoll sind, obwohl wir doch eigentlich gar nichts verstehen. Suchen uns in den Ansichten anderer und können diese nur in wenigen Bereichen teilen. Wollen mit jemanden über das lachen, was wir selbst witzig finden und merken am Ende zu oft, zu spät, wir sind tatsächlich individuell.

Was wir wirklich suchen ist jemand, der ähnlich fühlt wie wir selbst eben fühlen, der ein fühlendes Verständnis für die Dinge aufbringt, die man auf gleicher Ebene und Art wahrnimmt. Denn zuletzt sind es einzig unsere Gefühle die uns ausmachen, die uns „richtig oder falsch“ antreiben und den langen Weg durchs Leben tragen.

Wirklich beschreiben kann ich mich und meine Eigenschaften deshalb nicht und daher ist die Antwort auf die Frage über mich und mein Vermögen? Ein knappes Nichts! Denn ich habe weder Geld noch besondere Talente. Habe weder Mut, noch habe ich glorreiche Ziele. Kann nicht wirklich lauschen, kann aber hören. Kann weder in der Dunkelheit noch im Hellen stehen. Kann nicht reden, kann nicht schweigen. Weder bejahen, noch verneinen – aber eines ist gewiss, im Alter trage auch ich ein Gebiss. 🙂

… und wenn ich dann zurückblicken kann und weiß, dass ich jeden Menschen der mir begegnet ist noch weiterhin in die Augen schauen kann und es nie verlernt habe mich selbst in mir zu finden, dann habe ich alles von Wert erreicht. Denn ich glaube nicht, dass man Menschen mit wenigen Worten „beschreiben“ kann und vor allem, die Natur hat den Menschen eine besondere Fähigkeit mitgegeben: die Anpassung. Jeder kann diese nutzen und hat die Freiheit den Weg zu gehen, den er möchte. Welcher das ist, das liegt zum guten Teil in unserer Hand und das Wie und wie gut wird durch unserer Fähigkeiten diktiert. Bloß sich selbst brechen und verlieren, das sollte man wirklich nicht.

~ 80 Jahre: Ich bin jemand, der das Leben ergründet hat und den Sinn in diesem immer dann verstand, wenn ich in die Augen eines wunderbaren Menschen schaute. Doch gefühlt und genossen habe ich es nur, wenn ich in den Armen des Menschen lag, der mein Leben erfüllte. Denn aller Reichtum der Welt findet sich nur im eigenen Herzen und wer dort tief genug schaut, der wird es finden und er wird verstehen, dass im Leben nur das zählt, was wir anderen an Gefühlen gegeben und als geschenkte Gefühle von ihnen bekommen haben. Dies ist wahrer Reichtum.

Dass ist es, was mich ausmacht, dass ist mein Ziel und dass ist somit „mein Profil“. Es beschreibt hoffentlich die Frage über den Autor in einem Ausmaß der ausreicht, eben eine passende Schublade für diesen zu finden. Denn wir denken und handeln innerhalb dessen, was wir vermuten und somit leben wir von und mit Vorurteilen, egal wie der Gegenüber es auch meinte.